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Obsoleszenz – Der Virus im Outdoorhandel Jahrelang blieb die Outdoor-Branche von der Seuche Obsoleszenz verschont. Doch in den letzten Jahren wird sie zunehmend davon betroffen und die Ansteckungsgefahr ist beängstigend. Aber erstmal langsam – viele Kunden wissen gar nicht, was Obsoleszenz ist, geschweige denn, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Vielen Firmen wäre es auch lieb, wenn es so bliebe, denn würden die Kunden davon erfahren, könnten sie ja ihr Kaufverhalten verändern – und das ist nicht im Sinne eines profitorientierten, auf grenzenlosen Wachstum basierenden Systems. Der Chemnitzer BoofeLaden kämpft seit Jahren gegen die Obsoleszenz! Wir setzen, wo es geht, auf Marken, die in Europa fertigen, die nachhaltige Sortimente anbieten und wo die Qualität stimmt. Aber die Entwicklung der letzten Jahre ist so krass, dass wir es nicht mehr alleine schaffen. Ohne Euch, den Kunden, verlieren wir das Spiel, und damit wird eine bewährte Verkaufskultur auf längere Sicht untergehen. Vom ökologischen Irrsinn mal ganz abgesehen. Es liegt in unseren Händen. Was ist Obsoleszenz? obsolet = nicht mehr in Gebrauch sein Obsoleszenz bzw. Obsolescence = ist die geplante Verkürzung des Lebenszyklus bzw. der Attraktivität eines Produktes. Wozu dient Obsoleszenz? Sie dient rein der Erhöhung des Konsums und damit der Erhöhung des Profites. Kürzere Lebenserwartung eines Produktes bedeutet schnellere Schaffung eines Neubedarfes. Und der Bedarf ist bekanntlich der Motor des Konsums. Wie wird Obsoleszenz erreicht? Durch negative Beeinflussung der Qualität oder gezielten moralischen Verschleiß. Erreicht wird dies, indem schlechtere Qualität verbaut wird, als möglich ist und/oder Produkte und Farben permanent erneuert werden. Hinweis: eine mindere Qualität ist nicht nur der geplanten Obsoleszenz geschuldet, sondern auch der Nachfrage der Kunden nach immer billigerer Ware. Problem ist, dass der Kunde dem Hersteller damit indirekt ein Alibi für die Obsoleszenz liefert. Beispiel: a) Bei der Verarbeitung eines Baumwollgarnes wird eine kürzere Baumwollfaser verwendet. Diese verschleißt schneller - der Stoff sieht schneller abgenutzt aus und ist nicht mehr so sehr belastungsfähig. Wer kennt nicht die Jeans, die hundert Jahre halten soll und schon nach hundert Tagen in der Tonne gelandet ist. Oder die robuste Trekkinghose, die wegen einer schlechten Naht auseinanderfällt. b) Bei der Verarbeitung von Polyamiden, also der Nylonfaser, werden Stabilisatoren gegen UV entzogen und/oder anders chemisch angeordnet (z.B. Perlon statt Nylon, 6.0 statt 6.6). Das Ergebnis ist ein schnellerer Verschleiß. c) Fleece: die ersten Henkelfleece von Polartec, eine Art geschnittenes Frottee, waren nahezu unzerstörbar. Viele Firmen verwenden mittlerweile sogenannte Flachfleece, also aufgekratzte Stoffe, die durch Peeling schneller den Weg in die Tonne finden. d) Schuhe, die mindestens 10 Jahre halten könnten, werden mit zu dünnen oder ungeeigneten Leder gefüttert und scheuern sich binnen 2 Jahre an der Ferse auf, so dass man sie nicht mehr tragen kann. Oder die Sohle löst sich bereits nach wenigen Monaten. Schade um den Schuh und schade auch um den Ruf der Schuhmacher. Es gibt noch viele Beispiele, die uns zeigen, dass Obsoleszenz allgegenwärtig ist. Kürzlich wurde auch eine sehr gute Dokumentation im TV gezeigt „Kaufen für die Müllhalde”, welche u.a. über dieses Problem bei Glühbirnen und Druckern berichtete. Klasse gemacht. Natürlich bekam der Bericht eine ungünstige Sendezeit - war wohl doch zu heikel. Worin besteht die Gefahr? Durch eine geplante Osoleszenz werden bewusst Rohstoffe und Ressourcen verschwendet. Der Kunde verliert das Gefühl für den Wert einer Ware. Gerade die öko-kommunizierende Outdoorbranche sollte daran interessiert sein, dass ein Produkt länger hält. Leider geht die Entwicklung oft in eine andere Richtung. Dass die Tragweite dieser Problematik vielen nicht bewusst ist bzw. ignoriert wird, ist daran zu erkennen, dass noch immer, ganz ungeniert öffentliche Kurse zum Obsoleszenzmanagement angeboten werden. Was kann der Kunde dagegen tun? Wer maßlos und gleichgültig konsumiert, bestätigt den Erfolg eines solchen Konzeptes und brauch sich nicht wundern, dass die Rohstoffpreise immer mehr steigen und Arbeitsplätze nach Fernost verlegt werden. Kleine Schritte mit großer Wirkung: Kauft Qualität. Fragt nach Langlebigkeit. Belohnt Hersteller, die gute Qualität bauen, indem ihr ihnen treu bleibt. Aber ermahnt sie und den Händler, wenn sie Euch Sch… verkauft haben. Repariert auch mal ein Produkt und werft nicht alles gleich weg. Kauft Produkte nicht nur, weil sie jeder hat, sondern weil sie gut sind. Gebt kleinen, innovativen Firmen, die in ihrer Herkunftsregion produzieren, eine Chance. Rennt nicht jedem Modetrend hinterher, denn diesen Luxus können wir uns auf Dauer nicht mehr leisten. Besteht bei berechtigten Reklamationen wegen Mängeln mehr auf Nachbesserungen, und akzeptiert nicht immer gleich den Umtausch. Schaut nicht einfach weg, sondern teilt Eure Meinungen sachlich in Foren wie "Murks-Nein Danke!" mit. Nachbesserung statt Umtausch! Laut BGB hat der Kunde bei einer berechtigten Reklamation wegen Mangel innerhalb der Garaniezeit Rechte gegenüber dem Händler und Hersteller. Weil die eigentliche Garantie (Beweislast nicht beim Kunden) meist nur ein halbes Jahr ist, könnte es durchaus interessant sein, die Garantie zu verlängern. Doch bringt dies im Bezug auf Nachhaltigkeit nur dann was, wenn auch eine Pflicht auf mehrmalige, schnelle Nachbesserungen innerhalb des Garantiezeitraumes durchgesetzt wird und sich der Hersteller nicht durch einen Umtausch den Mehrkosten eines Service entziehen kann. Denn weil sich der Versand wegen einer Reparatur nach Fernost nicht lohnt, wird immer mehr ein kulanter Umtausch bevorzugt - klar bei den geringen Herstellungskosten. Und weil viele Kunden sich des Problemes Nachhaltigkeit gar nicht richtig bewusst sind, freuen sie sich sogar darüber. Selbst eine Wandelung (Geld zurück) hat nur dann was mit Nachhaltigkeit zu tun, wenn man mit dem Geld ein anderes Produkt kauft, was hochwertiger ist. All dies setzt aber auch ein Umdenken und eine Sensibilisierung beim Kunden voraus, denn vielen Kunden ist der Zusammenhang zur Nachhaltigkeit eines Produktes gar nicht bewusst oder eine Rekla zu aufwendig. Und wer will denn schon auf den Luxus Mode verzichten? Was könnten die Hersteller tun? Langfristiger denken! Für die Einführung von Marken und Produkten sind zwar Outdoor-Fachgeschäfte und ihre kritischen Kunden (auch „Innovatoren und Trendsetter“ genannt) gut genug. Aber ist man erst mal bekannt, vergessen viele Firmen ihre Herkunft und ihre Philosophie. Wem soll man es auch verdenken, bringt doch die große Zielgruppe der „Müden Mehrheit“ (Fachbegriff aus dem Marketing; immerhin ca.70% der Bevölkerung) mehr Masse. Und weil die „Müde Mehrheit“ weniger kritisch mit Ware umgeht und sich mehr am Nachbarn orientiert als an der Qualität, ist der Weg zur Obsoleszenz offen. Liebe Hersteller, bitte lasst es. Ist einmal ein Kunde dahinter gekommen, kehrt er meist der Marke für immer den Rücken. Weil immer mehr Firmen gleich die Trendsetter überspringen wollen, verliert der Outdoormarkt an Farbe und wird immer mehr zum mittelmäßigen Einheitsbrei. Doch grenzenloses Wachstum bei begrenzten Ressourcen ist nicht gerade ein Aushängeschild. Gibt es mal ein ausgereiftes Produkt, muss es nicht im nächsten Jahr der Obsoleszenz wegen durch ein neues ersetzt werden. Durch langlebigere Produkte kann man sich auch ein sehr gutes Image aufbauen. Es müssen nicht 20 Farben angeboten werden, besonders wenn diese nicht biologisch abbaubar sind. Gebt Euch mit weniger zufrieden, und es wird treue Kunden geben, die es Euch danken. Und das nicht nur in diesem Geschäftsjahr, sondern auch noch in 10 Jahren, wo viele Marken schon längst vergessen sein werden. Warum klärt der BoofeLaden auf? Ihr fragt Euch sicherlich, wo ist der Haken. Kein Händler ist so blöd und klärt die Kunden über Obselezenz auf und riskiert damit seinen Umsatz bzw. provoziert Ärger mit seinen Lieferanten. Der BoofeLaden vertreibt seid 10 Jahren Qualität. Wir haben einige Marken, bei denen sich eine Obsoleszenz abgezeichnet hat, schon vor Jahren rausgeworfen, obwohl der große Run von der „Müden Mehrheit“ auf die Marke erst losging. Der BoofeLaden hat damit eine Menge Umsatz eingebüßt – aber unsere Kunden haben es positiv honoriert – und zeigen dies durch Treue. Und auch ein gutes Produkt verschleißt einmal, aber nicht kurz nach der Gewährleistung, sondern erst, nachdem es dem Kunden einen guten Dienst erwiesen hat. Ja Leute, es ist schon eine Weile her, aber es gab mal eine Zeit, da wurde noch eine Beziehung zum Produkt aufgebaut: der Rucksack, der schon 20 Länder gesehen hat oder die Hose, die seit Jahren zuverlässig ihren Dienst tut. Oder das Zelt, welches meine Familie vor dem Unwetter bewahrt hat und der Schuh, der schon die dritte Besohlung drauf hat, weil er so gut passt. Diese Kunden kommen wieder und sagen auch mal Danke! Und dafür lohnt sich der Verzicht auf das schnelle Geld!
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